
Zahnerosion wird definiert durch den Verlust von Zahnhartsubstanz, der – im Gegensatz zu Karies - durch Säuren nicht-bakteriellen Ursprungs ausgelöst wird. Sie ist gekennzeichnet durch partielle Demineralisation und späteren Abtrag einer ultra-dünnen Schmelzschicht jedes Mal, wenn ein Säureangriff erfolgt. Während sich die flächenhafte Demineralisierung im Anfangsstadium in seidenglatten Oberflächen manifestiert, kommt es in fortgeschrittenen Stadien zur Ausbildung von Dellen im Schmelz, die bis ins Dentin reichen und später zur Einebnung des gesamten Höcker-Fissurenreliefs führen können. Hinsichtlich Ihrer Herkunft unterscheidet man zwei Gruppen von erosionsverursachenden Säuren, nämlich extrinsische und intrinsische. Während die extrinsischen Säuren häufig aus sauren Nahrungsmitteln oder Getränken stammen, ist unter den intrinsischen Säuren die Magensäure häufigstes schädigendes Agens. Wie stark sich die Erosion jedoch letztlich klinisch ausprägt, ist individuell sehr unterschiedlich, denn es gibt multiple Entstehungs- und Kompensationsmechanismen, die sich gegenseitig beeinflussen. Monokausale Diagnostik, die lediglich auf die die Bestimmung eines Risikofaktors wie z.B. den pH-Wert der schädigenden Säure oder geringen Speichelfluss abzielt, ist daher ungeeignet, um geeignete Prophylaxemaßnahmen bzw. eine ursachenbezogene Therapie einzuleiten. Darüber hinaus ist der erosive Substanzverlust irreversibel. Aus diesem Grund ist die rechtzeitige Einleitung adäquater Prophylaxe- und Therapiemaßnahmen für den Patienten von zentraler Bedeutung. Spätestens dann, wenn klinisch Defekte festgestellt werden, jedoch auch wenn es lediglich Anzeichen für ein erhöhtes Erosionsrisiko gibt, sollte eine intensive Diagnostik eingeleitet werden. Der von Bartlett, Ganss und Lussi (Bartlett et al. 2008) kürzlich vorgestellte Screening-Index (BEWE = Basic Erosive Wear Examination) eignet sich nicht nur gut für eine Beurteilung der Säureschäden bei geringem Zeitaufwand, sondern unterstützt den Zahnarzt auch bei der individuellen Planung präventiver Maßnahmen. Um den Zahnarzt bei der systematischen Erfassung von Risikofaktoren zu unterstützen, hat GABA – basierend auf den entsprechenden relevanten wissenschaftlichen Publikationen und unter Einbeziehung von Experten – ein Set für die Risikodiagnose von Zahnerosionen entwickelt. Es ermöglicht die gezielte Evaluation unterschiedlichster Risikofaktoren und erleichtert die systematische Planung von Prophylaxe- und kausalen Therapiemaßnahmen. Dort, wo die kausale Therapie nicht möglich bzw. nicht ausreichend ist, besteht auch die Möglichkeit, den Verlust an Zahnhartsubstanz durch die regelmäßige Anwendung vor allem zinnhaltiger Produkte wirksam einzudämmen.
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