
Traditionell werden in der Zahnmedizin orale Indizes zur Bewertung oraler Erkrankungen verwendet. So lässt sich mit dem DMFT-Index das Ausmaß kariöser Gebissschäden beschreiben, lassen sich Indizes für Parodontalerkrankungen erfassen die Schwere der Schädigung am Zahnhalteapparat, oder der kieferorthopädische Behandlungsbedarf wird mittels Indikations-gruppen bestimmt. All diese Parameter beschreiben allerdings die jeweiligen oralen Erkrankungen relativ eindimensional aus rein fachlicher Sicht, nicht jedoch aus Sicht der Betroffenen. Diese haben infolge von Schäden an oralen Strukturen z.B. Probleme beim Essen, Kauen oder Sprechen, sie können sich nicht entspannen, machen sich Sorgen oder sind mit ihrem Aussehen nicht zufrieden. Diese subjektive Sicht oraler Erkrankungen kann mit Instrumenten zur Messung der auf die Mundgesundheit bezogenen Lebensqualität (MLQ) erfasst werden, z.B. mit dem Oral Health Impact Profile für Erwachsene oder dem Child Perceptions Questionnaire für Kinder und Jugendliche. Die „klassischen Parameter“ oraler Erkrankungen können diese patientenbezogenen Probleme nicht abbilden, d.h. erst durch die zusätzliche Einschätzung der MLQ entsteht ein sinnvolles Gesamtbild. MLQ-Messungen ermöglichen z.B., schmerzhafte Zustände, wie sie von Patienten mit freiliegenden Zahnhälsen berichtet werden, vergleichend zu bewerten. Repräsentative Daten von über 2000 Probanden aus der deutschen Allgemeinbevölkerung zeigen, dass überempfindliche Zähne die MLQ der Betroffenen nachhaltig beeinträchtigen, obwohl die Strukturverluste (freiliegende Dentinareale im Zahnhalsbereich) vergleichsweise gering scheinen. Die Behandlung überempfindlicher Zähne ist also aus Sicht der Betroffenen dringend geboten. Letztlich – und darin liegt die gesundheitspolitische Dimension von Lebensqualitätsmessungen – sollten vorrangig solche Diagnose- und Therapiemaßnahmen durch die Solidargemeinschaft finanziert werden, die den Patienten den meisten Gewinn an MLQ bringen. |