
Bei Temperaturen von weit über 30 Grad sorgte das direkt am Meer gelegene Tagungszentrum Centre Convencions International für eine angenehme Umgebung. Die geschätzten rund 6.000 Fachbesucher machten diesen IADR-Kongress zum bisher größten. Auch die Mitgliedszahlen der IADR sollen sich ähnlich positiv entwickeln. Allerdings macht es diese Fülle an Veranstaltungen sehr schwierig, den Überblick über alle diskutierten Themen zu behalten, geschweige denn auch nur ansatzweise mitzuverfolgen. Das Tagungsprogramm ist mittlerweile auf eine stattliche Seitenzahl angewachsen, insgesamt beliefen sich die wissenschaftlichen Beiträge auf knapp 5.000. Das Tagungsprogramm umfasste Beiträge zu Forschung im Bereich Dental im weitesten Sinne. Neben Vorträgen und Symposien zu wissenschaftlichen Themen wie Implantologie, Epidemiologie, restaurativer und präventiver Zahnheilkunde rücken zudem aufkommende Indikationen wie Xerostomie, Erosion oder Halitosis oder die Immunologie immer mehr in den Vordergrund. Wie jedes Jahr nutzten viele angereiste Wissenschaftler die Tagung besonders zur Ausweitung Ihres wissenschaftlichen Netzwerkes und dem Austausch zu weiteren wissenschaftlichen Projekten in informeller Atmosphäre. Bemerkenswert war auch das Symposium zum 100. Geburtstag des Forsyth Institutes, einem der führenden mikrobiologischen und molekulargenetischen Institute weltweit. Es befasste sich mit Fortschritten im Bereich der Interaktionen zwischen Mensch und Bakterien und stellte den aktuellen Forschungsstand dar. Die IADR ist immer auch Ort der Diskussion neuer Wirkstoffe, Verfahren und Produkte. So erfreute sich diesmal u.a. der Wirkstoff Arginin bei der Behandlung von schmerzempfindlichen Zähnen großen Interesses. Nicht nur für den Behandler stellt die schnelle Wirkung einen wesentlichen Fortschritt dar. Zudem standen Studien zur Biokompatibilität und Verträglichkeit restaurativer Materialien im Blickpunkt der Forschung. In diesem Zusammenhang wurden außergewöhnlich viele Beiträge zu polymer-basierten Materialien auf dem Kongress präsentiert. Die IADR 2011 findet in San Diego (USA) statt. |

Superlative gehören heute zur Tagesordnung und so war es nicht sonderlich überraschend, dass die diesjährige 88. IADR General Session als weltgrößte wissenschaftliche Veranstaltung der Zahnheilkunde wiederum alle bisherigen Rekorde übertroffen hatte. Am Ende waren es fast 7000 Teilnehmer, die Mitte Juli ins neue, direkt am Meer gelegene Kongresszentrum von Barcelona gekommen waren. Und so mancher Kongressbesucher hat wohl angesichts hochsommerlicher Temperaturen einen wehmütigen Blick aus den wohl klimatisierten Räumen auf den nahen Strand geworfen.
Betrachtet man die Vielzahl der Vorträge und Poster und vor allem das große Interesse daran genauer, so ist dieser Teilnehmerrekord als ein überaus positives Zeichen für das hohe Interesse am wissenschaftlichen Teil unseres Fachbereichs zu werten. Gleichzeitig dürfte dies ein verlässlicher Gradmesser für die vielfältigen Forschungsaktivitäten in der Zahnheilkunde sein. Programm und Abstracts können es vom Umfang her mit so manchem Versandhauskatalog aufnehmen. Dicht gepackt das Programm, das sich nicht nur durch die Fülle und Themenauswahl wohltuend vom gros der Kongresse abhebt. Doch diese Vielfalt hat auch ihre Tücken: bei mehreren parallel laufenden Sitzungen steht der Besucher oftmals vor der Qual der Wahl und hat eine schwierige Auswahl zu treffen.
Anhand der Zahl der Beiträge zu einzelnen Themengruppen lassen sich die gegenwärtigen Trends in der Forschung feststellen. Dass spektakuläre Ergebnisse nicht am Fließband produziert werden können, versteht sich eigentlich von selbst. Somit ist es als ein weiteres positives Zeichen zu werten, wenn nicht nur auf spektakuläre Ergebnisse geschielt wird, sondern auch der Grundlagenforschung angemessener Respekt gezollt wird. Und genau wegen dieser Forschung und dem Austausch darüber erfreut sich dieser Kongress in der internationalen Wissenschaftswelt größter Beliebtheit: nirgends lässt es sich so vortrefflich netzwerken wie auf dieser Veranstaltung. Jede Pause wird zu individuellen Gesprächen genutzt und viele der hier ausgetauschten Informationen könnten für das eine oder andere Vorhaben den entscheidenden Vorteil bringen.
Beeindruckendes Zeugnis der Forschungsergebnisse ist die Vielzahl der hoch angesehenen Preise, die anlässlich dieser Tagung vergeben wurden. Nicht zuletzt dienen diese wissenschaftlichen Wettbewerbe der Motivation und Förderung des akademischen Nachwuchses. Und diese Rechnung dürfte aufgegangen sein: selten sieht man so viele junge Referenten am Rednerpult. Selbst den Studenten stand ein eigenes Podium offen.
Fast schon zu den traditionellen Schwerpunkten gehören Langzeituntersuchungen zu dentalen Materialien. Weniger überraschend ist, dass sich ebenfalls nicht wenige Beiträge mit den unterschiedlichsten Aspekten der Implantologie befassten. Hier findet man die sonst so schmerzlich vermissten Langzeitstudien. Die hohe Präsenz der Oralmedizin überrascht, genießt sie im zahnmedizinischen Alltag nicht immer den Stellenwert, der ihr eigentlich gebührt. Auch klassische Disziplinen wie die Kariesforschung, Schmerz und die Parodontologie nehmen einen breiten Raum ein. Drei Redner wurden nicht zuletzt aufgrund ihrer Lebensleistung besonders gewürdigt: Francisco Fernandez-Aviles aus Madrid mit dem Thema „Stammzellen in der kardiovaskulären Therapie“, Thomas Lehner vom Londoner Kings College mit „Der Beitrag der oralen Immunologie zu unserem Verständnis der dentalen und oralen Krankheiten“ und Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Auch sein Thema, „Die infektiösen Ursachen von Krebserkrankungen“ erhielt diese Würdigung.
Gerade für Zahnärzte, für die anspruchsvolle Themen das Salz in der Suppe sind, die das wissenschaftliche Denken im Praxisalltag noch nicht abgelegt haben und die etwas höhere Ansprüche an einen Kongress haben, fanden bei diesem 88. IADR Kongress Antworten auf viele Fragen. Fragen, die sich nicht nur die Wissenschaftler stellen, sondern die im täglichen Praxisbetrieb genauso eine Rolle spielen. Manchmal geht es dabei nur um Details, wie etwa der wissenschaftliche Nachweis auf die Frage, ob die Vitamin-B-Gabe bei Parästhesien im Einzugsgebiet des Nervus mandibularis einen nachweisbaren Effekt erzielt. Leider sind Veranstaltungen, die diesen Anforderungen gerecht werden, eher dünn gesät. So gehört der jährliche IADR Kongress zu den ganz wenigen zahnmedizinischen Veranstaltungen im Jahr, die mit Recht von sich sagen können, Forschung und Entwicklung des Fachbereichs im Blickfeld zu haben. Und genau diese Botschaft, die durch unzählige Aussagen bekräftigt wird, wird von den Teilnehmern honoriert.
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